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Atmosphäre hat
"Waschmittel" zur Selbstreinigung
3sat.de/nano
(13.07.2006)
Das hochreaktive Hydroxyl-Radikal startet den Abbau der meisten
Schadstoffe
Die
Atmosphäre hat trotz schwankender Schadstoffmengen immer ausreichend eigenes
"Waschmittel" für die Selbstreinigung zur Verfügung. Zu diesem Schluss
kommen Wissenschaftler nach einer fünfjährigen Analyse der Hydroxyl-
Konzentration in der Atmosphäre. Das Hydroxyl-Radikal (OH) ist das
wichtigste Reinigungsmittel der Lufthülle. Die Atmosphäre steuere die eigene
Reinigung wesentlich effizienter als bisher angenommen, berichten die
Wissenschaftler.
Der Sonne komme dabei eine überraschend
große Bedeutung zu. Das hochreaktive Hydroxyl startet den Abbau der meisten
Schadstoffe und wird dabei auch verbraucht. OH-Radikale wandeln Schadstoffe
in der Luft so um, dass sie bei Regen "ausgewaschen" werden. "OH hat eine
Lebensdauer von einer Sekunde. Es muss ständig produziert werden und
reagiert ständig mit den Schadstoffen", sagte Franz Rohrer vom Jülicher
Institut für Chemie und Dynamik der Geosphäre.
Die Forscher sind zuvor davon ausgegangen,
dass mit zunehmender Schadstoffmenge nicht nur der Waschmittelverbrauch
steigt, sondern dadurch auch die OH-Konzentration abnimmt. Umso erstaunter
sind sie, dass das Auf und Ab der Waschmittelmenge nichts mit der
Schadstoffkonzentration und dem Verbrauch zu tun hat, sondern nur mit der
Sonneneinstrahlung zusammenhängt.
Die treibende Kraft für die chemischen
Prozesse zur OH-Produktion ist die Sonne, betonte Rohrer. "Die
Initialisierung macht die Sonne. Sie liefert durch das Licht, das durch Ozon
absorbiert wird, die Energie, um die ganzen Prozesse am Laufen zu halten."
Diese Prozesse müssen stabilisiert sein. Die Sonne als antreibende Kraft ist
das Regulierungsinstrument. Die Waschmittelmenge wird bei Sonnenlicht immer
passend nachgeliefert. Wie dieser komplexe Vorgang im Detail funktioniert,
ist bisher nicht vollständig entschlüsselt.
Trotz gestiegener Schadstoffbelastung ist die Hydroxyl-
Konzentration den Messungen zufolge auch langfristig nicht gesunken.
"Forscher diskutieren seit einigen Jahren, ob die Atmosphäre die global
steigende Luftverschmutzung nicht mehr verkraftet und daher die Menge des
OH-Radikals abnimmt", sagte Rohrer. Dafür gibt es bisher aber keinen
Hinweis.
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