Kyoto soll dem Klima guttun
Protokoll zum Schutz der Umwelt tritt heute in Kraft.
Berlin -
Mehr als 140 blaue Ballons schwebten gestern dem schneeverhangenen Berliner Himmel entgegen. Ein Tribut an die ebenso vielen Zeichnerstaaten des Kyoto-Protokolls über weltweite Klimaschutz-Maßnahmen. Heute tritt es nach jahrelangem Gerangel endlich in Kraft.
Im Mittelpunkt steht heute das japanische Kyoto, wo Ende 1997 erste Schritte gegen die vom Menschen verursachte globale Erwärmung aus der Taufe gehoben worden waren. Von dort soll Video-Schaltungen zu Uno-Generalsekretär Kofi Annan, zur diesjährigen Nobelpreisträgerin Wangari Maathai, zu EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso sowie einigen Umweltministern geben. Darunter ist auch Bundesumweltminister Jürgen Trittin, der an einem Festakt in Bonn teilnimmt.
Ist die Arbeit mit der Festtagslaune nun erledigt oder die Klimakatastrophe gar abgewendet? Nein, sagen die Umweltprofis in Verbänden und Regierungen übereinstimmend. Das sei doch nur ein erster Schritt gewesen, bei dem die Treibhausgase der Industriestaaten von 1990 bis 2012 erst um fünf Prozent reduziert werden sollten. Viel beherztere Schritte müßten folgen. Zwar ist Deutschland mit dem erreichten Abbau von Treibhausgasen um 19 Prozent bereits dicht an den bis 2012 zugesagten 21 Prozent. Aber selbst dies ist den deutschen Umweltverbänden zu kraftlos. Vor allem müßten die USA als größter Produzent von Treibhausgasen ins Boot geholt und die EU zu ehrgeizigeren Zielen getragen werden, die im Schnitt zu minus acht Prozent verpflichtet wurde.
Da Rußland am 18. November dem Kyoto-Protokoll offiziell beigetreten ist, wird dieses verbindlich. Um das Vertragswerk in Kraft zu setzen, mußten ihm 55 Staaten beigetreten sein, auf die mindestens 55 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes der Industrieländer von 1990 entfallen. Bis jetzt haben mehr als 130 Staaten das Vertragwerk anerkannt.
Grundlage des Kyoto-Protokolls ist die Klimaschutzkonvention des Erdgipfels von Rio de Janeiro. Darin hatte die Staatengemeinschaft 1992 unter anderem vereinbart, den Ausstoß der Treibhausgase so zu begrenzen, daß "sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können" und "die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird".
Kohlendioxid wird für rund die Hälfte des menschengemachten Treibhauseffekts verantwortlich gemacht. Zu den im Kyoto-Protokoll aufgeführten Treibhausgasen zählen zudem Methan, Lachgas, perfluorierte und teilhalogenisierte Kohlenwasserstoffe sowie Schwefelhexafluorid. Daneben gibt es einen natürlichen Treibhauseffekt, der für eine Durchschnittstemperatur auf der Erde von etwa 15 Grad sorgt.
Ein konkretes Regelwerk zum Kyoto-Protokoll wurde 2001 in Bonn und Marrakesch (Marokko) vereinbart, nachdem die USA den Verhandlungen den Rücken gekehrt hatten. Zur Erfüllung ihrer Klimaschutzziele dürfen die Industrieländer auch mit Emissionsrechten handeln, Projekte zur umweltfreundlichen Entwicklung in ärmeren Ländern finanzieren oder Projekte in anderen Industrieländern fördern wie etwa energieeffizientere Kraftwerke in Ländern Osteuropas. Zudem dürfen Wälder und Böden in bestimmten Grenzen als Klimaschutzbeitrag einberechnet werden, da sie Kohlenstoff speichern.
dpa/HA/fis
erschienen am 16. Februar 2005
in Politik
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